Stramme Auftaktetappe
(02.05.2010)
Pünktlich um 9.00 Uhr am 1. Mai wurden die 10 Fahrer und 4 Beifahrer
in Eppelheim vor dem Feuerwehrhaus verabschiedet. Bürgermeister Mörlein,
einige Stadträte und der Vereinsvertreter wünschten den Teilnehmern auf
der 1200 km langen Tour zur Partnerstadt Vertesacsa in Ungarn eine
Unfallfreie Fahrt im Dienste der Völkerfreundschaft.
Über die Belastung der Fahrer auf der 1.Etappe wurden von der
Tourleitung – wie bei einigen Politikern- recht wachsweiche Aussagen
gemacht: 117 km Etappenlänge war klar, aber die Höhenmeter schwankten
zwischen 800 und 1200 Höhenmetern. Es wurden 1135 Höhenmeter. So eine
stramme Etappe mit einem Schnitt von 18,5 km/h war die Gruppe noch nie
gefahren. Und das ohne nennenswerte Ausfälle.
Zielort war das mittelalterliche Städtchen Krautheim im
Madonnenländchen, am nördlichsten Punkt der Jagst.
Nach dem stetigen Auf- und Ab auf der Tagesetappe wurden die
verbrauchten Kalorien und mehr in gemütlicher Runde nachgefüllt.
2. Etappe - 02.05.2010
Vom Hohenloher Land ins Altmühltal
(02.05.2010)
Die zweite Etappe von Krautheim nach Herrieden im Altmühltal teilte sich
in zwei ganz Unterschiedliche Abschnitte.
Hügelig mit kräftigen Anstiegen über das Hohenloher Land bis nach
Rothenburg ob der Tauber. Die 1029 Höhenmeter resultieren im
Wesentlichen aus diesem Teil. Das notwendige Picknick zum aufladen der
Batterien fand am Fuße von Rottenburg statt. Hausmacher Wurst, deftiges
Brot und Käse mundeten allen. Beim anstieg zum Marktplatz und dem
Rathaus begann es zu regnen, das Wetter blieb bis zum Schluss der Etappe
trüb, nass und kühl.
Nachmittags nahmen wir uns das Altmühltal vor. Breit geschnitten bis zu
den niedrigen Rändern mit einem noch sehr schmalen Bach und sehr
geringem Gefälle.
In unserem Fahrstil verschwand die Hektik der Berge und der Gegenwind
nahm zu.
Die Etappe mit insgesamt 101 km und einem Schnitt von 17 km/h endete mit
einer Überraschung: das Hotel Bergwirt lag hoch über Herrieden. Die
Sauna entschädigte nachher für die Strapazen.
3. Etappe - 03.05.2010
Traumtour von Herrieden nach Eichstätt
(04.05.2010)
Von der Papierform her war das die Traumtour für jeden Reiseradler:
104 km durch das Altmühltal abwärts, nur 302 Höhenmeter aufwärts ohne
stramme Steigungen, ein ordentlicher Schnitt von über 18.5 km/h,
Traumlandschaft wie von der Phototapete. Wenn da nicht das Wetter
gewesen wäre. Von Herrieden nach Treuchtlingen bei 10°C und dauerndem
Nieselregen. Nicht gerade prickelnd. Bis auf zwei Fahrer verschwanden
bei allen die kurzen Radhosen. In Treuchtlingen nach den ersten 60 km
wurde das Mittagessen im Kurpark im dortigen Musikpavillon serviert. Als
aus der Rheinebene die Information kam, es scheine die Sonne, besserte
sich schlagartig auch bei uns das Wetter:
Ausziehen war angesagt, das Thermometer stieg auf 18°C, die Stimmung
auch.
Ab Dollnstein hinter Sollnhofen kam dann ein kräftiger Landregen über
uns.
Jede Faser der Klamotten war nass. Die heiße Dusche dauerte heute
besonders lang.
Es gab auch interessante Beobachtungen in der Gruppe. Das medizinische
Team bestand aus dem Allgemeinmediziner Michael und dem
Kinderpsychologen Erich, also gerade richtig für unsere Truppe. Mit dem
„Doping“ Koffer von Stadtrat Kai Gund konnten alle kleineren Wehwehchen
bekämpft werden. Die beiden Mediziner verstanden sich prächtig, man
wähnte sie auf einem Kongress, der meist weit vor dem Fahrerfeld
stattfand.
Michael und Gerhard waren heute Morgen auf Abwege gekommen. Mit ihren
„Hupen“ Fahrräder waren sie auf der Suche nach Bibern ans falsche Ufer
geraten. Man vermutet, dass sie hinter Bibergeil für die Tourapotheke
her waren.
Am Nachmittag wurde die gute Tat vollbracht. Einem älteren Reiseradler
wurde die Kette fachmännisch von Conny und Co repariert.
Insgesamt wird die heutige Tour in Erinnerung bleiben:
Die Altmühl mäandrierend, und sich langsam im Bette wälzend, zu beiden
Seiten Kalksteinfelsen und Wachholderbüsche, herrliche Radwege aus
Asphalt oder Schotter und kein Autoverkehr.
4.Etappe (04.05.2010) – zwischen Tour de France
Zeitfahren und Kulturgenuss
(05.05.2010)
Schon kurz nach Beginn der heutigen Tour über 93 km und 436 Höhenmeter
gab die Tourleitung das heutige Ziel aus. Bis 15.30 Uhr sei die
Anlegestelle in Kelheim zu erreichen, ansonsten sei das Schiff nach
Kloster Weltenburg durch den Donaudurchbruch schon weg. Der Druck auf
das Fahrerfeld war groß:
Die Pausen wurden verkürzt, die Mittagspause halbiert, der angestrebte
Schnitt angehoben, und weil heute angeblich Freitag war, gab es Hering
in allen Varianten und zur Beschleunigung noch viele rohe Zwiebeln.
Nach dem Mittagessen besserte sich das sowieso schlechte Wetter nicht ,
sondern es kam noch Gegenwind hinzu. Der Radwegbelag wechselte zu
weichem Mineralbeton, dem Fahrerfeld wurde also alles abverlangt. Die
Landschaft wechselte etwas mit dem Erreichen des Main-Donau-Kanals, das
wirken der Biber in der Nachtschicht war jedoch nicht übersehbar.
5 Minuten vor der Deadline und nach einem Schnitt von 18,6 km/h
erreichten wir das Schiff. Vorbei an der Befreiungshalle – und dem
wildromantischen Donaudurchbruch – erreichten wir das Kloster
Weltenburg. Den meisten schmeckte das dunkle Weltenburger Barockbier,
abends wurde auf Schneider Weisse umgestiegen, ebenfalls in Kelheim
gebraut.
5. Etappe Kelheim – Regensburg – Straubing
(05.05.2010)
Vom Winde verweht, zwischen Kelheim und Straubing
(06.05.2010)
Schon in Kelheim ging es los, an einer Brücke über den Main-Donau-Kanal
mussten alle Fahrräder – auch das Liegerad von Erich 2 eine Treppe rauf
und neben dran eine Treppe runter getragen werden. Der Verursacher für
diese unnötige Aktion war schnell ausgemacht: offensichtlich war Garmin
bei 8°C Außentemperatur noch nicht ganz klar im Kopf.
Uns machten das kühle Wetter und der stramme Gegenwind zu schaffen.
Unser Schnitt sackte deutlich ab (16 km/h), und das Feld wurde entweder
zerfleddert oder kuschelig zusammen geschoben, um möglichst viel
Windschatten zu nutzen.
Neben der deutlichen Anstrengung gab es auch sehr erfreuliche
Ereignisse: Der Besuch in der ältesten Wurstbude der Welt - „der
Wurstkuchl“ -, in Regensburg und der Genuss der selbst gemachten und auf
Holzkohle gegrillten Würstchen samt Kraut und Senf.
Am Nachmittag stiegen die Temperaturen kurzfristig auf beinahe tropische
15°C, der Gegenwind wurde aber noch stärker.
Da half nur noch ein opulentes Kuchenbuffet am Nachmittag. Jürgen und
Sonja hatten alles angeschleppt, was ausgekühlte und entkräftete Fahrer
wieder auf den Bock hilft. Als Nachtisch gab es ein gemeinsames Kuscheln
unter der Decke am Donaudeich.
Die abendliche heiße Dusche in Straubing eröffnete einen netten Abend im
Hotel.
6. Etappe - 06.05.2010
Von Straubing nach Passau, Bergfest der Tour
(08.05.2010)
Warum sollte das Wetter besser sein als der Wetterbericht. Heute war
wieder alles geboten:
Von Straubing nach Deggendorf kalt, aber trocken und ohne Wind, wir
kamen sehr gut voran.
Von Deggendorf beim Mittagessen bis Vilshofen strömender Regen und
stehendes Wasser auf den Strassen. Erich zog sich in Ermangelung langer
Radhosen ins warme Auto von Dieter zurück. Ab Vilshofen bis zu unserem
Berghotel im Ilztal in der Nähe von Passau, schönes Sonnenwetter und
beste Stimmung. Die 118 km wurden bei 427 Höhenmetern mit immerhin 18.9
km/h zurückgelegt.
Das Resume zum Bergfest:
Nach 6 Tagen, 626 km und 3714 Höhenmetern war die Stimmung auf der Tour
zu unserer Partnerstadt trotz des Wetters sehr gut. Es gab höchstens
kleinere Blessuren und so sind wir vor der Weiterfahrt nach Österreich
aller bester Laune.
Einer der besonders beim Bergfest mit seiner Leistung außerhalb des
Fahrerfeldes nicht unerwähnt bleiben darf, ist Dieter Hölzel mit seiner
Frau Magret. Er steuert den roten Mannschaftstransportwagen der
Freiwilligen Feuerwehr, der schon in halb Europa bekannt ist. Er
versorgt das Fahrerfeld mit Getränken, Obst und Kalorienbomben und nimmt
in seinem Besenwagen auch kurzfristig schwächelnde Fahrer gegen einen
kleinen Obolus auf. Er fährt am liebsten direkt hinter dem letzten im
Feld her um dessen Tritt zu beschleunigen. Leider geht das nicht immer.
Auf den wegen stehen Poller, die Brücken sind zu schmal oder nicht
tragfähig, so kann er uns nicht immer verfolgen. Aber er ist wie der
Igel, der immer schon eher als das Feld da ist wo er gebraucht ist. Er
ist ein Virtuose der Orientierung in unübersichtlichem Gelände.
Dieter wir brauchen Dich.
7. Etappe - 07.05.2010
Von Passau nach Linz, nach dem Bergfest ging’s bergab.
(08.05.2010)
Eine Woche mit Regen, Wind, Kälte und vielen Steigungen liegt hinter
uns. Wenn es nun bergab geht, heißt das für Radler, dass es nun leichter
werden sollte. Der Regen hörte auf, der Gegenwind wandelte sich
zeitweise ins Gegenteil, die Temperaturen stiegen und die Rennstrecke an
der Donau entlang ließ einen flotten Schnitt von 21 km/h zu. Die
Landschaft war grandios, teilweise ein eng gefasstes Donaubett in
knappen Schleifen, teilweise breit geschnitten und geeignet für den
Anbau von Südfrüchten wie Kiwis.
Die erste interessante Unterbrechung war die Fahrt mit einer Längsfähre
auf der Schlögener Donauschlinge, in der die Donau ihre Laufrichtung von
Ost nach West umdreht. Die Interpretation, dass die Donau hier rückwärts
liefe, war wohl eher waghalsig.
Die Zweite Unterbrechung war das Übersetzten mit einer total
antriebslosen Großfähre über die Donau zwischen Wilhering nach
Ottensheim. 10 Fahrzeuge und zahlreiche Fahrräder querten, nur
angetrieben von der Flussströmung die Donau. Die Konstruktion war
bestimmt 125 Jahre alt, aber noch sehr vertrauenserweckend.
Bei bis zu 16°C, war der Drang zum Besuch eines Gartencafés nicht mehr
zu unterdrücken. Die warmen Klamotten mussten weichen und das erste
Weizen während der Fahrt hatte keine besonderen negativen Auswirkungen,
Alfred sei Dank.
Leider war für eine Stadtrundfahrt durch Linz, die Kulturhauptstadt
Europas 2009, keine Zeit mehr. Aber man kann ja nicht alles haben.
8. Etappe - 08.05.2010
In kurzen Hosen von Linz nach Melk
(08.05.2010)
Auch am 8.Etappentag stiegen die Stimmung und die Leistungsfähigkeit
der Truppe. Wer von daheim gehofft oder befürchtet hatte, dass einzelne
nach inzwischen 800 km schlapp machen, sieht sich getäuscht. Alle sind
topfit.
Die Temperaturen steigen, je weiter wir nach Osten kommen. So wurden
nachmittags die letzten langen Hosen ausgezogen. Der Schnitt hielt sich
weiterhin auf sehr hohem Niveau (20,5 km/h), Sprints in 2er- oder 3er
Gruppen im Windschatten zogen immer wieder das Feld auseinander.
Zwei Ereignisse prägten den heutigen Tag.
Der Besuch von einigen der Gruppe in der Gedenkstätte des
Konzentrationslagers Mauthausen.
Etwa 65 Jahre nach der Befreiung des Lagers trafen wir auf viele
interessierte Jugendliche.
Das Mittagspicknick fand auf einer Halbinsel in einem See in den
Auwäldern der Donau statt. Es gab Quark mit frischen Kräutern und lautes
Gequake der unzähligen Frösche und Kröten um uns herum. Leider war die
Pause wie üblich etwas zu kurz, aber 108 km müssen eben auch bewältigt
werden.
Die Etappe endete in Melk. Das Stift Melk mit dem Benediktinerkloster
und der weltberühmten Bibliothek prägen die Kulturgeschichte der Wachau.
9. Etappe - 09.05.2010 - Melk nach Klosterneuburg
Sonntagsfahrt durch die Wachau im Griff der „Drogenbarone“
(10.05.2010)
Der heutige zweite Sonntag unserer Tour war geprägt von bestem Wetter,
guter Laune und hemmungsloser Genusssucht in herrlicher Landschaft. Auf
dem nördlichen Donauufer reihte sich eine Weinlandschaft an die andere
mit berühmten Lagen und großzügigen Villen oder herrschaftlichen
Weingütern. Hauptprodukt der Winzer ist der Grüne Veltliner und der
Marillenschnaps.
In Willendorf wurde die berühmte Venus von Willendorf gefunden. Dieses
weibliche Fruchtbarkeitssymbol mit ausladenden Formen ist eines der
schönsten Exemplare der Kunst aus der Altsteinzeit.
In Dürnstein war König Richard Löwenherz nach einem der Kreuzzüge
eingesperrt.
Kurz vorher hatten Erich 1+2 eine unübersichtliche Situation im Feld
genutzt und einen erfolgreichen Ausbruchsversuch gestartet. Bis nach
Dürnstein war der uneinholbare Vorsprung auf 5 Minuten gewachsen, was
einen Besuch in einer Radlerkneipe legitimierte. Die anderen mussten
folgen. Schon gegen 11.00 Uhr wurden Wein, Schnaps, Likör und größere
Mengen süße Mohnspeisen genossen.
In der Folge wurde alles nicht mehr so genau genommen. Am späten
Nachmittag vor Klosterneuburg stand ein weiterer Besuch in einer
Radlerkneipe an.
Die einzigen Schäden am heutigen Tag waren leichte Sonnenbrände im
Gesicht und an den Waden.
PS: Neben dem Vergnügen fuhren wir noch 108 km mit 351 Höhenmetern und
einem Schnitt von knapp 20 km/h.
10. Etappe - 10.05.2010
Von Klosterneuburg über Wien nach Bratislava. An einem Nachmittag zwei
Hauptstädte besucht
(11.05.2010)
Das Wetter und alle anderen Randbedingungen waren wie in den letzten
Tagen bestens. Vormittags verlief die Überführungsfahrt nach Wien sehr
ruhig. In Wien hatte jeder 3 Stunden Zeit, um seinen eigenen Wünschen
entsprechend sich die Zeit zu vertreiben.
Wir trafen uns im Prater am großen Riesenrad wieder und eine flotte
Fahrweise begann. Auf der nördlichen Donauseite (Lobau) verlief der
Radweg schnurgerade über viele Kilometer, gut asphaltiert und breit
genug. Bald ergriffen die wilden Drei (die Namen sind der Redaktion
bekannt) die Initiative und fuhren alles in Grund und Boden. Die Gruppe
setzte dabei das Eppelheimer Dreieck ein, eine holprige Abwandlung des
belgischen Kreisels. In logischer Folge kam es zur ersten
Befehlsverweigerung des Feldes gegenüber der Tourleitung. Diese hatte 5
Minuten Pinkelpause angeordnet, das Feld bretterte einfach weiter.
Vorher war es meist umgekehrt. Erst bei Kaffee und Kuchen, serviert
durch Sonja und Jürgen, beruhigte sich wieder alles.
Nach über 1000 km können wir als Resumé für eine gute Fahrradtour 3
Sachen festhalten:
- Nimm immer eine Ersatzbatterie für den Garmin mit.
- Ziehe die Fahrradhose nie verkehrt herum an.
- Eine Melange a trois hat nichts mit einem Marillenlikör zu tun.
Auf gutes Gelingen.
11. Etappe - 10.05.2010 - Bratislava – Zlatna na
Ostrove
Von Bratislava nach Zlatna na Ostrove, die 11. Etappe in der
Slowakischen Republik
(12.05.2010)
Jeder Tag ist anders, dies macht den Reiz einer Langstreckentour für
eine größere Gruppe aus.
Man wächst zusammen, man weiß wie der andere fährt, man weiß wen welche
kleine Wehwehchen plagen und jeder reagiert trotzdem etwas anders. So
auch heute, beim Angriff von Myriaden von Mücken auf dem Donaudamm.
Conny schloss alle Lucken und kleidete sich zwischen Totalvermummung und
Burka. Einige Männer hatten wie die Radrennfahrer ihre Arme und Beine
einer Totalrasur unterzogen und boten den Angreifern so keine Fläche
mehr.
Gegen Mittag hatte sich das diesige Wetter verzogen, dafür kam ein
merklicher Gegenwind auf, das Feld rückte zusammen. Das Fahren auf dem
Donaudamm machte uns nicht ramm- sondern dammdösig. So entschieden wir
durch die Dörfer hinter dem Damm zu fahren. Wir wollten mal was erleben.
Die erste Möglichkeit bot sich bei einem idyllischen Badesee. Drei von
uns entstiegen den kühlen Fluten als Adonis und Co. Die Bilder bleiben,
um den Familienfrieden nicht zu stören, unter Verschluss.
Der Besuch in einem Biergarten verlief weniger erfolgreich, wir wurden
von Steckmücken überfallen und vertrieben.
So wurde diese Tour nach 98 km und einem respektablen Schnitt von 20
km/h unsere kürzeste: Wir waren schon um 16.30 Uhr im Hotel.
12. Etappe - 12.05.2010
Von Zlatna na Ostrove nach Vertesacsa auf der letzten Etappe
(15.05.2010)
Diese Etappe war zwar die letzte, aber auch die gefährlichste Etappe.
Der Anteil der Radwege war zum Schluss minimal, die Anzahl der
unfreiwilligen Verkehrsübertretungen im Peleton nahm zu.
Morgens noch im Nieselregen in der Slowakei, regnete es nach Komanrno
bis Tata in Strömen, der Gegenwind nahm zu. So war der Empfang in Tata
durch einen Vertreter der Gemeinde eine willkommene Unterbrechung
(Bericht folgt).
Bis zum Mittagessen ließ der Regen etwas nach, doch erst die verputzen
letzten Reste ließen die Sonne wieder scheinen. Die Berge nahmen zu –
mehr als der Königstuhl – das Tempo im Feld jedoch auch. So gelangten
wir unfreiwillig auch auf manche nicht erlaubte Nationalstraße. Passiert
ist jedoch nichts. Das Abendessen im Sporthotel mit dem Bürgermeister
bildete den sportlichen Abschluss der Tour. Über die offiziellen Teile
der Tour berichten wir noch.
Die Charakterisierung unserer Teilnehmer interessiert sicherlich alle
unsere Leser:
- Albert: Als ehemaliger Kommandant der örtlichen Feuerwehr, auch in der
Funktion als Chef des Feldes unumstritten. Geschwindigkeitsfest und
Stressstabil.
- Conny: Als flotte Fahrerin von allen im Feld akzeptiert. Als Mutter
der Kompanie geliebt, von Garmin jedoch nicht immer respektiert.
- Sonja: Als Beifahrerin und Mutter Courage das Non plus ultra einer
jeden Etappe.
- Jürgen: Als bessere Hälfte der Beifahrerin war er der ruhende Pol im
Versorgungsfahrzeug und helfende Hand bei jeder Art von Problemen.
- Dieter: Dieser Igel war immer da, bevor man ihn erwartete. Seit Jahren
in dieser Funktion erfolgreich im Einsatz, besonders zur Freude aller
Eingeborenen.
- Margret: Sie moderierte erfolgreich die extrovertierten Eigenschaften
ihres Gatten.
Tag der Empfänge
(15.05.2010)
Vertesacsa liegt in einem Gebiet südwestlich von Budapest, das schon
unter den Römern als Transdanubien bezeichnet wurde. Es hat ein
mittelwelliges Geländeprofil, ähnlich dem Kraichgau. Die Einwohner sind
in den größeren Städten tätig, die Landwirtschaft wird meist als
Nebenerwerb betrieben.
Unser erster Besuch galt der Gemeinde Tata. Tata ist die Partnerstadt
von Dammarie les Lys und Montebelluna und auch deutlich größer als
Vertesacsa. Wir wurden völlig durchnässt von einem Gemeindevertreter und
der Presse empfangen. Der Austausch von Geschenken und vielen
freundlichen Worten lässt hoffen, dass die Beziehungen sich stabil
weiter entwickeln.
Am gleichen Abend begrüßte uns der Bürgermeister, die Rektorin der
Schule und Frau Helga Blaumann von der Tanzgruppe Vertesacsa, bei einem
Essen.
Am nächsten Morgen wurden die letzten 8 km und 150 Höhenmeter vom
außerhalb liegenden Sporthotel nach Vertesacsa zurückgelegt.
Der erste Besuch galt dem Schulzentrum, bestehend aus einer 8-stufigen
Grundschule und dem Kindergarten. Im Kindergarten sind etwa 65 Kinder in
Räumen untergebracht, die auch von der Gemeinde Eppelheim mit renoviert
wurden.
In der Schule werden etwa 100 Kinder unterrichtet, das Kollegium besteht
aus 12 Lehrerinnen und Lehrer. Alle Kinder lernen Deutsch.
Unsere Fahrradgruppe wurde mit viel Beifall und Gesang begrüßt, unsere
(illegalen) Presslufthupen stellten schnell den ersten Kontakt zu den
einzelnen Klassen her. Das Schöne große und abgeschlossene Schulgelände
lässt dem Bewegungsdrang der Schüler viele Möglichkeiten offen.
Der nächste Programmpunkt war der Mama-Club. Ein Treffen von liebevollen
älteren Damen, die auch der Freundschaft zu Eppelheim ihre besondere
Aufmerksamkeit schenken. Nun zeigte sich langsam, dass dieser Tag so
hart werden sollte, dass manche lieber Fahrrad gefahren wären.
Nach dem Motto: „ vor dem Schnaps ein Schnaps und nach dem Schnaps ein
Schnaps und dazwischen einen Wein trinken und sehr lecker Essen“. Das
ist eher noch untertrieben. Bloß gut, das bei den Mamas ohne Papas, sich
draußen ein Unwetter entwickelte, das uns auf unseren Plätzen hielt. So
konnten wir in Ruhe verschiedene Strudel genießen.
Der Besuch beim Bürgermeister im Rathaus verschob sich.
Wir wurden von ihm und dem Vertreter der deutschen Minderheit begrüßt.
Vertesacsa hat etwa 1800 Einwohner, davon sind es 60 deutschstämmige
Einwohner. Wir erfuhren nochmals aus erster Hand, welche Bedeutung die
Städtepartnerschaft mit Eppelheim hat. Entsprechend freundlich und offen
war jeder Kontakt.
Neben dem Rathaus befindet sich das Haus der Feuerwehr. Dieter und
Jürgen versuchten dem alten Ford Transit, einer Schenkung aus Eppelheim,
eine große Inspektion und ein kleines Tuningprogramm abzuringen.
Der abendliche Besuch in zwei Weinbergen verschwindet langsam im Nebel
der unklaren Erinnerungen: Schnäpse, Weißweine, Rotweine, Brot und
Kesselgulasch boten die Grundlage für gemeinsamen Czardas-Tanz und guten
Schlaf.