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Von 1 bis 72 auf zwei Rädern nach Montebelluna
(31.05.2009)

11 Radler machten sich am 30.05.2009 um 8 Uhr auf den Weg zur Partner Stadt Montebelluna. Bei herrlichem Sonnenschein verabschiedeten die Familienangehörigen, Bürgermeister Dieter Mörlein und Stadtrat Gramm die Teilnehmer des Giro d´amicitia. Das Ziel ist ambitioniert: in einer Woche durch Süddeutschland, über die Alpen mit mehreren Pässen nach Oberitalien in die Region Venetien zu fahren und dort die Radfahrfreunde aus Montebelluna kennen zu lernen.
Ein Teil der Radler kannte sich schon von der Tour 2008 nach Dammarie les Lys. Rudi, unser ältester, ist 72 Jahre alt. Lenn mit 18 Monaten unser jüngster, hielt sich hauptsächlich im Fahrradanhänger seines Vaters auf.
10 Männer in allen Altersstufen und eine Frau bildeten ein perfektes Team.
Der Zusammenhalt war durch zwei schwierige Trainingsfahrten vor der Tour durch den Kraichgau gefestigt worden. Jeweils 100 km und 800 Höhenmeter waren aussagefähig für unseren Fitnesszustand vor der Tour.
So gut vorbereitet ging es auf die 1. Tagesetappe. Am Neckar entlang bis Neckarsulm und dann südlich des Kochers bis nach Löwenstein-Hößlinsülz am Breitenauer See über 110 km und 600 Höhenmeter wurden von allen gut geschafft.


1-Etappe Eppelheim nach Hößlinsülz
30.05.2009 Abfahrt 08.00 Uhr am Feuerwehrhaus



2. Etappe Hößlinsülz nach Nördlingen
Um 20:00 Uhr endlich am Tisch und was zu Essen

Eine der sicherlich schwersten Etappen ging spät zu Ende: Sehr lang (124 km), sehr bergig (1134 Höhenmeter), viel kalter Gegenwind, etwas zu spät weggekommen und innerhalb kürzester Zeit zwei Pannen. Ziel war die historische Altstadt von Nördlingen im Ries in der Ostalb. Bis auf die kürzeren flachen Etappenabschnitte über den Kocherradweg und das Ries ging es entweder bergauf oder bergab. Diese hohe Belastung konnte nur Dank Dieter und Margret Hölzel und Sonja und Jürgen Kerber in den Begleitfahrzeugen bewältigt werden, die immer stärkende Getränke, Bananen und Müsliriegel reichten.
Der Abend klang harmonisch in einem gut bürgerlichen Gasthaus aus. Michael Elgg half als Bedienung mit, uns mit Schnitzel und Bier zu versorgen.


Höhenprofil der 2. Etappe

 


3. Etappe von Nördlingen nach Odelzhausen
Abendessen unterm Maibaum


Bei bestem Radlerwetter verlief auch die 3.Etappe am Pfingstmontag mit bestem Ergebnis. Zwischen Nördlingen im Ries und Odelzhausen wurden 115 km und 742 Höhenmeter mit einem Schnitt von 20 km/h bewältigt. Zwischen den Rändern des Ries und Augsburg war die Etappe weitgehend eben. So war auch das Fahrerfeld ruhig und ausgeglichen, außer wenn sich Albert Trietsch als Lokomotive vor das Feld spannte und den Kessel unter Dampf setzte.
Ein Fahrer nach dem anderen koppelte sich hinten ab, bis Albert alleine vorne weg fuhr.
Nach dreitägigem intensivem Studium der nackten Waden entschied unsere Schönheitskommision, dass der Fahrer mit den schönsten Wadeln Rudolf Weidner ist. Das Gleichmaß der Form, die Farbe, die Muskolosität, die Behaarung und das Fehlen von Krampfadern überzeugte alle, und das bei 72 Jahren. So konnten am späten Nachmittag alle in bester Stimmung Weißbier und Krustenbraten genießen und sich auf die erste Alpenetappe freuen.


 


4. Etappe Odelzhausen nach Lenggries
Adventure Tour ins Isartal


Die heutige Etappe hatte es in sich. Es sollte eine der kürzesten werden, wurde aber die längste (127km). Der Grund lag darin, dass einige bayerische Gemeinden und Wirte kein Interesse daran hatten, dass Radfahrer auf einfachen asphaltierten Wegen die Ortschaft wieder verlassen können. So konnten uns weder zwei Garmin-GPS-Geräte, und mehrere Karten noch die Vorplanung des Organisationsteams der Feuerwehr davor bewahren, in der bayerischen Gemeinde . . . . .
Mehrmals im Kreis umher fahren, bevor wir als Schlupfloch eine Schotterstrecke fanden. Ein Problem kommt selten allein: Alfred Schmitt-Hess hatte sich im Stand einen Platten rein gefahren und so wurde der nächste Radladen prophylaktisch geplündert.
Nachmittags nach einem kurzen erfrischenden Nieselschauer bestätigte sich unsere Erfahrung, dass die Qualität der Radwege in Bayern im umgekehrt proportionalen Verhältnis zur natürlichen Schönheit der Landschaft steht. Die letzten 40 km an der Isar entlang entschädigte für vieles, verlangte aber von Georg Keller mit seinem Rennrad auf groben Schotterstrecken doch hohe Steuerkünste ab.



 


5. Etappe von Lenggries nach Innsbruck
Doping in den Alpen


Nachdem gestern Abend in Lenggries das Bergfest mit einem Enzian (Alpendiesel) gefeiert wurde, musste heute die Wasserscheide zwischen Isartal und Inntal überwunden werden. Dabei passierten wir den Sylvensteinsee, den Achenpaß und den über 900 m hoch gelegenen Achensee in einem idyllischen Hochtal, bevor wir uns in rasanter Abfahrt 400 Höhenmeter tief ins Inntal stürzten.
Die Strapazen der bisher 600 km und 4000 Höhenmeter forderten die ersten Opfer.
Teilnehmer A. ruinierte zuerst sein Hinterteil und danach noch mit schierer Kraft sein Fahrrad. Bloß gut, dass ein professioneller Radladen das passende Neurad hatte.
Den anderen Radlern und unserem Material half unser gezieltes Doping:
Morgens ein gutes Frühstück mit Müsli und Eiern, bei der ersten Pause wurden Fitnessriegel und Energiedrinks gereicht, beim Mittagessen weißer Käse und Fruchtscheiben. Das wichtigste für die Erhaltung der Leistung war jedoch das Abendessen: Meist Radler oder Weiße und lokale Mehlspeisen. Für Körper und Material ges viel Öl, Kettenspray, Druckluft für die Reifen, Entzündungscreme für das Hinterteil und Pferdecreme für die Muskulatur.
Das beste Doping war jedoch die Kameradschaft und viel gute Laune, die alle Teilnehmer der tour auszeichnete.


 

6. Etappe von Innsbruck nach Klausen über den Brenner
Höhen und Tiefen in Tirol


Der Tag der Radfahrer und Wahrheit kam unaufhaltsam. Gestern Abend waren wir noch in Innsbruck im Kaiserlichen Fräuleinstift essen, heute morgen wurden die Räder für die Königsetappe gesattelt. Die sechs von uns, die noch keine Alpenpässe gefahren waren, hatten teilweise ein etwas mulmiges Gefühl. Mehr als 800 Höhenmeter in einem Anstieg sind keine Kleinigkeit. Einige fuhren ambitioniert flott, andere gemütlich nach Pulsuhr. Aber alle kamen an. Ein Picknick durch unsere Begleitfahrzeuge lud die Batterien wieder auf. Es folget eine rasante Abfahrt ins Eisacktal, den Geschwindigkeitsrekord hielt Radfreund A. mit 67 km/h. Der nach Sterzing folgende Eisacktalradweg war wunderschön, mit wieder giftigen Gegenanstiegen und Materialmordend. Wurde gestern noch ein neues Rad gekauft, so war es heute nur eine gerissene Hinterradfelge bei Michael, was einen neuen Radsatz notwendig machte. Eine der sicherlich schönsten Etappen endete in einem Landschaftshof in Klausen bei Kaffee und Strudel und einem guten Abendessen.
 

 

7. Etappe von Klausen nach Caldonazzo
Steherrennen im Etschtal


Wie jeden Tag starteten wir pünktlich um 8.30 Uhr in unserem Gasthaus. Geplant war die Strecke durch eines der am stärksten durch den Verkehr belasteten Nord-Süd Taler der Alben, Das Eissack und Etschtal. Wir Radler hatten auf der gesamten Strecke von 100 km unserem eigenen asphaltierten Fahrstreifen der noch dazu gut beschildert war. Die Strecke verlief oft direkt neben den Gebirgsbächen, so dass deren rauschen das Dröhnen der Autobahn übertönte. Vor Bozen verlief der Radweg mehrere Kilometer über die alte Eisenbahntrasse und durch deren Tunnel ein vollkommen neues Gefühl. Zu Bozen selbst wurden wir in einer mehrstöckigen Halle über hochglanzpoliertem Marmor geleitet. Damit endete dann aber auch schon die angenehmen Seiten der heutigen Tour. Zwischen Bozen und Trient hatte das Fahrerfeld mit zunehmend stärker werdendem Gegenwind zu kämpfen, der teilweise auch noch böse von der Seite kam. Die Geschwindigkeit sackte ab und jeder war froh, wenn er ein windschatten-spendendes Hinterrad fand. Ein kurzer Graupelschauer konnte dank einer Autobahnbrücke einigermaßen überstanden werden. Von Trient ab kam uns der Fahrradweg ins Valsugana Tal durch viele Verbotsschilder abhanden, so dass die Begleitfahrzeuge zum Transport des Peletons über die gefährliche Strecke über 20 km zum Einsatz kamen. Radfahren stärkt nicht nur die Muskeln und die Kondition, es verbindet auch. Heute Nachmittag schloss sich eine junge, konditionsstarke Radlerin an der wir schon seit dem Brenner immer wieder begegnet waren. Sie ist von Berlin nach Sizilien unterwegs.

 

8. Etappe Caldonazzo nach Montebelluna
Am Tag als der Regen kam.


Das Valsugana bot vieles für die Radfahrer: Hervorragende, asphaltierte Fahrwege, klare Beschilderung, atemberaubende Landschaft und ein sich innerhalb von Minuten änderndes Wetter. Regenklamotten aus- und anziehen ging in Minuten, aber nichts ist gewachsen gegen Wolkenbrüche. Das Schlimmste Unwetter erwischte uns kurz vor Bassano di Grappa, dem Ausgang des Tales in die Po-Ebene. Wir hatten uns in eine Bushaltestelle geflüchtet, die von allen Seiten von Wasser umschlossen war. Jedes Mal, wenn ein Auto vorbeifuhr, ergoss sich eine Gischtmauer über uns. Das störte die Stimmung nicht. Cornelia Zimmer, Gerhard Duwe und Michael Elgg, schon patschnass bis auf die Haut, führten einen Regentanz direkt am Fahrbahnrand auf. Nach einer halben Stunde war alles Vorbei. Mit quatschenden Schuhen ging es nach Basso, wo uns Bürgermeister Mörlein und die Fahrradfreunde aus Montebelluna herzlich begrüßten. Die letzten 25 km nach Montebelluna wurden im großen Fahrerfeld durch die leicht hügelige landwirtschaftlich genutzte Gegend in rasender Fahrt bewältigt. So macht Radfahren spaß. Herrlicher Sonnenschein krönte den Empfang durch Bürgermeisterin Laura Pupato und die Stadtverwaltung vor dem Rathaus. Es schloss sich ein Empfang im Vereinsheim des erfolgreichen Radsportclubs an. Ein Abendessen in der ältesten Pizzeria am Ort mit vielen Beteiligten beendet den Giro d`amititicia zu unserer Partnerstadt nach Montebelluna. Die 11 Fahrer und 4 Begleiter bewältigten in 8 Tagen 900 km Entfernung über die Alpen und 6110 Höhenmeter, kamen gesund und bester Laune bei unseren Freunden an. Die junge Partnerschaft wurde vertieft, ein Gegenbesuch für das nächste Jahr angekündigt.
Alles in allem ein erfolgreicher Abschluss einer langen Vorbereitung.

 

Wieder daheim am Wasserturm

Sie sind alle wieder gesund zurückgekommen und begeistert empfangen worden, die elf Fahrer:

Jochen Kerber mit seinem Sohn Lenn (20 Monate)
Christian Rieth
Michael Elgg
Karl-Heinz Fuchs
Gerhard Duwe
Cornelia Zimmer
Alfred Schmitt-Hess
Albert Trietsch
Rudolf Weidner
Georg Keller
Erich Zahn

Und die 4 Begleiter:
Sonja Kerber
Jürgen Kerber
Margret Hölzel
Dieter Hölzel.

Die Fahrt nach Montebelluna hatte keine Spuren am Körper der Sportler hinterlassen, aber Spuren in der Erinnerung:
An zwei anstrengende Testfahrten im hügeligen Kraichgau, an 8 Tage im Sattel über die Alpen bis nach Oberitalien in einer kameradschaftlichen Mannschaft, an den herzlichen Empfang durch die Stadtverwaltung und die Radsportler Montebellunas.

Hier wurden wir am Wasserturm wieder herzlich begrüßt durch unsere Familien und Freunde, durch Stadträte und Bürgermeister Mörlein. Der Dank galt besonders der Begleitmannschaft, die uns professionell umsorgt hat.

Jedes Ende einer solchen kleinen Expedition ist gleichzeitig ein Neuanfang:
Im nächsten Jahr werden wir uns über 1200 km auf nach Vertesacsa nach Ungarn machen und auch die Radsportler aus Italien hier empfangen.
Es muss also weiter trainiert werden.
 

 

 
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2010 - Radtour zur Partnerstadt Vertesacsa in Ungarn
     




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